Der Backup-Job läuft jede Nacht. Die Daten werden gesichert. Der Status ist grün.
Doch wissen Sie auch, wann Ihr Unternehmen nach einem Ausfall wieder arbeiten könnte?
Ein erfolgreiches Backup zeigt zunächst nur, dass eine Sicherung erstellt wurde. Es sagt noch nicht, ob Sie den benötigten Datenstand vollständig zurückspielen können. Und es zeigt auch nicht, ob danach Anwendungen, Zugänge, Berechtigungen und Schnittstellen funktionieren.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
Sind Ihre Daten gesichert?
Sondern:
Können Sie mit den wiederhergestellten Daten auch wieder arbeiten?
Kurz erklärt: Ein Backup-Test sollte nicht bei der technischen Rücksicherung enden. Sie sollten auch prüfen, ob Ihre Mitarbeitenden anschließend wieder auf die benötigten Anwendungen zugreifen und einen echten Arbeitsvorgang ausführen können.
Was ist der Unterschied zwischen Backup, Restore und Wiederanlauf?
Die drei Begriffe gehören zusammen. Sie beschreibe aber unterschiedliche Ergebnisse.
1. Was ist ein Backup?
Ein Backup ist eine Sicherungskopie Ihrer Daten, Anwendungen oder Systeme.
Diese Kopie benötigen Sie, wenn Daten beispielsweise gelöscht, beschädigt, manipuliert oder verschlüsselt wurden. Eine belastbare Datensicherung ist deshalb ein wichtiger Bestandteil einer ganzheitlichen IT-Sicherheitsstrategie.
2. Was ist ein Restore?
Bei einem Restore werden Daten oder Systeme aus einer vorhandenen Sicherung zurückgespielt.
Ein erfolgreicher Restore zeigt Ihnen, dass die Sicherung grundsätzlich genutzt werden kann. Je nach Testumfang kann das eine einzelne Datei, eine Datenbank, eine virtuelle Maschine oder ein vollständiges System betreffen.
3. Was ist ein Wiederanlauf?
Der Wiederanlauf umfasst mehr als die technische Wiederherstellung.
Er ist erst erreicht, wenn die benötigten Systeme zusammenarbeiten und der betroffene Bereich seine Aufgaben wieder aufnehmen kann.
Das bedeutet zum Beispiel:
- Ihre Mitarbeitenden können sich anmelden.
- Die erforderlichen Berechtigungen sind vorhanden.
- Anwendungen greifen auf die richtigen Daten zu.
- Benötigte Schnittstellen funktionieren.
- Der passende Datenstand steht zur Verfügung.
- Ein realer Geschäftsvorgang kann wieder bearbeitet werden.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sieht in einem Wiederanlauf- beziehungsweise Wiederherstellungsplan unter anderem organisatorische und technische Voraussetzungen, Abläufe, Funktionstests sowie die Übergabe in den Not- oder Normalbetrieb vor.
Ihr Server kann also wieder laufen, während Ihr Unternehmen noch immer nicht arbeitsfähig ist.
Warum reicht ein erfolgreicher Backup-Status nicht aus?
Der grüne Status Ihrer Backup-Software ist wichtig. Er beantwortet aber nicht alle Fragen, die im Ernstfall relevant werden.
Sie wissen dadurch nicht automatisch:
- ob die Sicherung vollständig ist,
- ob der richtige Datenstand enthalten ist,
- ob Zugänge und Kennwörter verfügbar sind,
- ob Verschlüsselungsschlüssel funktionieren,
- ob abhängige Systeme erreichbar sind,
- ob die Wiederherstellung rechtzeitig gelingt,
- und ob der Fachbereich anschließend weiterarbeiten kann.
Genau diese Lücke müssen Sie mit einem praktischen Wiederherstellungstest schließen.
Dabei geht es nicht darum, Ihrer bestehenden Backup- und Cloud-Lösung grundsätzlich zu misstrauen. Sie prüfen vielmehr, ob Technik, Dokumentation und betriebliche Erwartungen zusammenpassen.
Welche Systeme sollten Sie zuerst wiederherstellen?
Beginnen Sie nicht mit der Frage, welcher Server technisch am wichtigsten erscheint.
Fragen Sie zuerst:
Das kann beispielsweise sein:
- einen Kundenauftrag bearbeiten,
- Waren kommissionieren,
- eine Lieferung planen,
- eine Rechnung erstellen,
- auf Produktionsdaten zugreifen,
- Kundenanfragen bearbeiten.
Wenn Sie den Prozess festgelegt haben, können Sie die benötigten Systeme zuordnen.
7 Fragen für Ihre Wiederanlaufreihenfolge
- Welche Anwendung benötigen Sie für diesen Prozess?
- Welche Daten müssen darin verfügbar sein?
- Welcher Datenstand wird benötigt?
- Von welchen weiteren Systemen hängt die Anwendung ab?
- Welche Personen benötigen Zugriff?
- Welche Berechtigungen und Schnittstellen müssen funktionieren?
- Wie lange darf der Prozess unterbrochen sein?
Ihre IT kennt die technischen Abhängigkeiten. Die Fachbereiche wissen, welche Arbeitsschritte für Kunden und laufende Aufträge besonders wichtig sind. Ihre Geschäftsführung muss festlegen, welche Unterbrechungen betrieblich noch tragbar sind.
Sie sollten diese Reihenfolge deshalb nicht allein innerhalb der IT bestimmen.
Was bedeuten RTO und RPO bei der Wiederherstellung?
Bei der Planung der Wiederherstellung begegnen Ihnen häufig die Abkürzungen RTO und RPO.
Was ist das RTO?
Das Recovery Time Objective, kurz RTO, beschreibt die angestrebte Zeit bis zur Wiederherstellung.
Stellen Sie sich dazu diese Frage:
Wie lange können Sie ohne die Anwendung oder den betroffenen Prozess arbeiten?
Was ist das RPO?
Das Recovery Point Objective, kurz RPO, beschreibt den benötigten Datenstand beziehungsweise den maximal akzeptablen Datenverlust.
Die praktische Frage lautet:
Wie weit darf der wiederhergestellte Datenstand zurückliegen?
Sie sollten RTO und RPO nicht pauschal für Ihre gesamte IT festlegen. Ein selten genutztes System kann andere Anforderungen haben als Ihre Warenwirtschaft, eine Produktionsanwendung oder eine zentrale Kundendatenbank.
Legen Sie die Ziele deshalb für einzelne Prozesse und die dazugehörigen Systeme fest.
Welche drei Phasen sollte ein Wiederherstellungstest enthalten?
Ein Wiederherstellungstest sollte aus drei klaren Phasen bestehen:
- Vorbereitung
- Durchführung
- Auswertung
Phase 1: Was sollten Sie vor dem Wiederherstellungstest klären?
Definieren Sie zuerst einen eindeutigen Testumfang.
Klären Sie:
- Welchen Geschäftsprozess möchten Sie testen?
- Welche Daten oder Systeme werden wiederhergestellt?
- Welcher Datenstand wird benötigt?
- Welche Zielzeit soll erreicht werden?
- Wer führt die technische Wiederherstellung durch?
- Wer prüft das Ergebnis im Fachbereich?
- Wo wird der Test dokumentiert?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich das Ergebnis später sinnvoll bewerten.
Phase 2: Was sollten Sie während der Wiederherstellung prüfen?
Während des Tests sollten Sie nicht nur beobachten, ob die Backup-Software einen erfolgreichen Restore meldet.
Prüfen Sie den gesamten Weg:
- Ist die benötigte Sicherung erreichbar?
- Sind Zugangsdaten und Verschlüsselungsschlüssel verfügbar?
- Lässt sich der gewünschte Datenstand auswählen?
- Funktioniert die technische Rücksicherung?
- Sind abhängige Dienste und Schnittstellen erreichbar?
- Können sich die vorgesehenen Personen anmelden?
- Stimmen Berechtigungen und gespeicherte Daten?
- Wie lange dauern die einzelnen Schritte?
Stoppen Sie die Zeit nicht bereits dann, wenn ein Server startet. Entscheidend ist der Zeitpunkt, an dem der ausgewählte Geschäftsprozess wieder ausgeführt werden kann.
Phase 3: Was sollten Sie nach dem Restore dokumentieren?
Lassen Sie den betroffenen Fachbereich einen realen Vorgang prüfen.
Dokumentieren Sie anschließend:
- den verwendeten Sicherungsstand,
- die tatsächliche Wiederherstellungszeit,
- erfolgreiche und fehlgeschlagene Schritte,
- technische und organisatorische Abweichungen,
- notwendige Verbesserungen,
- verantwortliche Personen,
- und den Termin für den nächsten Test.
Ein Test schafft nur dann dauerhaft mehr Sicherheit, wenn Sie die festgestellten Lücken anschließend bearbeiten.
Welche 6 Probleme werden häufig erst bei einem Restore-Test sichtbar?
Auf dem Papier kann Ihre Wiederherstellung gut vorbereitet wirken. Ein praktischer Test zeigt, wo wichtige Details fehlen.
1. Zugangsdaten fehlen
Das Backup ist vorhanden, aber ein Kennwort oder Verschlüsselungsschlüssel ist im entscheidenden Moment nicht verfügbar.
2. Die Dokumentation ist veraltet
Ihre Anleitung beschreibt Systeme, Zugänge oder Abläufe, die inzwischen verändert wurden.
3. Abhängigkeiten wurden übersehen
Die zentrale Anwendung ist wiederhergestellt, kann aber nicht auf ihre Datenbank oder eine benötigte Schnittstelle zugreifen.
4. Verantwortlichkeiten sind unklar
Es ist nicht eindeutig geregelt, wer die Wiederherstellung startet, Entscheidungen trifft oder die Fachbereiche informiert.
5. Die Wiederherstellung dauert länger als erwartet
Technisch funktioniert der Restore, erreicht aber nicht die benötigte Zielzeit.
6. Die Anwendung läuft, der Prozess aber nicht
Die IT meldet einen erfolgreichen Wiederanlauf. Der Fachbereich kann sich jedoch nicht anmelden oder den vorgesehenen Vorgang nicht vollständig bearbeiten.
Wenn Sie bei einem Test auf solche Probleme stoßen, ist der Test nicht gescheitert.
Er hat seinen Zweck erfüllt.
Sie können eine erkannte Lücke schließen. Eine ungetestete Annahme bleibt bis zum Ernstfall unsichtbar.
Wie können Sie Ihre Backup- und Wiederherstellungsstrategie prüfen?
Sie müssen nicht sofort Ihre gesamte IT-Landschaft wiederherstellen.
Wählen Sie für den Einstieg einen wichtigen, klar abgegrenzten Arbeitsprozess aus.
So können Sie beginnen
- Wählen Sie einen relevanten Geschäftsprozess.
- Ordnen Sie die benötigten Systeme und Daten zu.
- Erfassen Sie technische Abhängigkeiten.
- Legen Sie den benötigten Datenstand fest.
- Definieren Sie Verantwortlichkeiten.
- Führen Sie die Wiederherstellung in einer geeigneten Testumgebung durch.
- Lassen Sie den Fachbereich einen realen Vorgang prüfen.
- Dokumentieren Sie Zeitbedarf und offene Punkte.
So erhalten Sie ein konkretes Ergebnis, statt Ihre gesamte Notfallplanung nur theoretisch zu betrachten.
Wie geht ncc guttermann bei Backup und Wiederherstellung vor?
Wenn wir bei ncc ein Backup- und Wiederherstellungskonzept betrachten, beginnen wir mit Ihrer bestehenden Umgebung.
Wir prüfen zunächst gemeinsam:
- Welche Daten und Systeme werden heute gesichert?
- Welche Sicherungswege und Speicherorte bestehen?
- Welche Backup-Jobs werden überwacht?
- Welche Anwendungen sind für Ihren Arbeitsalltag besonders wichtig?
- Welche Abhängigkeiten müssen bei einer Wiederherstellung berücksichtigt werden?
- Welche Fragen zu Zuständigkeiten und Reihenfolge sind noch offen?
Danach grenzen wir einen sinnvollen Testfall ab. Das kann zunächst die Rücksicherung ausgewählter Daten sein. Bei wichtigen Anwendungen kann ein umfangreicherer Test sinnvoll sein, bei dem zusätzlich Zugänge, Abhängigkeiten und fachliche Nutzbarkeit betrachtet werden.
Die Ergebnisse sollten anschließend in die Dokumentation, Backup-Konfiguration und Wiederanlaufplanung einfließen. Denn Wiederherstellung hängt nicht allein von der Backup-Lösung ab. Auch Infrastruktur, IT-Sicherheit, Monitoring und laufende Betreuung müssen zusammenspielen. Einen Überblick über diese zusammenhängenden Bereiche finden Sie bei unseren IT-Services für Unternehmen.
ncc unterstützt Unternehmen bei Online- und Inhouse-Backup-Lösungen von der Einrichtung über die laufende Betreuung bis zu regelmäßigen Tests der Rücksicherung. Der konkrete Testumfang richtet sich nach der bestehenden Umgebung und der vereinbarten Betreuung.
Woran erkennen Sie, ob Ihre Wiederherstellung gut vorbereitet ist?
Beantworten Sie zum Abschluss diese zehn Fragen:
- Kennen Sie Ihre wichtigsten Geschäftsprozesse?
- Sind die dazugehörigen Systeme dokumentiert?
- Kennen Sie die Abhängigkeiten zwischen den Systemen?
- Haben Sie RTO und RPO festgelegt?
- Ist die Wiederherstellungsreihenfolge dokumentiert?
- Sind Verantwortlichkeiten und Vertretungen geregelt?
- Sind alle benötigten Zugangsdaten verfügbar?
- Haben Sie die Rücksicherung praktisch getestet?
- Hat ein Fachbereich das Ergebnis geprüft?
- Wurden festgestellte Lücken anschließend geschlossen?
Wenn Sie mehrere Fragen nicht eindeutig beantworten können, sollten Sie Ihre bestehende Backup-Strategie nicht vorschnell verwerfen.
Sie sollten zuerst herausfinden, welche Informationen fehlen und welcher Test Ihnen die größte Klarheit verschafft.
Was ist nach einem erfolgreichen Backup wirklich entscheidend?
Ein grüner Backup-Status ist eine wichtige Voraussetzung. Er ist aber noch kein Nachweis dafür, dass Ihr Unternehmen nach einem Ausfall wieder arbeiten kann.
Dafür müssen mehrere Dinge zusammenpassen:
- die richtige Sicherung,
- ein geeigneter Datenstand,
- funktionierende Anwendungen,
- bekannte Abhängigkeiten,
- verfügbare Zugänge,
- klare Verantwortlichkeiten,
- und ein praktisch getesteter Ablauf.
Beginnen Sie nicht mit der gesamten IT.
Beginnen Sie mit einer konkreten Frage:
Was muss wieder funktionieren, damit Ihr Team seine wichtigste Aufgabe fortsetzen kann?
Die Antwort zeigt Ihnen, was Ihr nächster Wiederherstellungstest abdecken sollte.
Möchten Sie wissen, wie belastbar Ihre Wiederherstellung heute ist?
Wenn Sie nicht sicher einschätzen können, wie schnell Ihre wichtigsten Systeme und Prozesse wieder verfügbar wären, schauen wir uns gemeinsam einen konkreten Anwendungsfall an.
Dabei prüfen wir, was bereits gut vorbereitet ist, welche Abhängigkeiten berücksichtigt werden müssen und welche Fragen vor einem praktischen Test noch zu klären sind.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte ein Backup getestet werden?
Eine pauschale Testfrequenz ist nicht für jede Umgebung sinnvoll. Sie sollten die Häufigkeit anhand der Bedeutung der gesicherten Systeme, Ihrer Änderungsrate und Ihres Sicherungskonzepts festlegen. Zusätzlich sollten Sie prüfen, ob Änderungen an Anwendungen, Infrastruktur oder Verantwortlichkeiten einen neuen Test erforderlich machen.
Kann ein Backup erfolgreich sein und die Wiederherstellung trotzdem scheitern?
Ja. Ein erfolgreicher Sicherungsvorgang zeigt nicht automatisch, dass der benötigte Datenstand vollständig, lesbar und innerhalb der erforderlichen Zeit wiederhergestellt werden kann.
Wer sollte an einem Wiederherstellungstest teilnehmen?
Neben der IT sollte der betroffene Fachbereich beteiligt sein. Nur dort kann geprüft werden, ob ein realer Arbeitsvorgang mit dem wiederhergestellten System wieder möglich ist.
Muss bei einem Restore-Test das gesamte System wiederhergestellt werden?
Nicht zwingend. Sie können mit einer einzelnen Datei, einer Datenbank oder einer ausgewählten Anwendung beginnen. Der Testumfang sollte zu dem Ergebnis passen, das Sie überprüfen möchten.
Was gehört in einen Wiederanlaufplan?
Die Vorlage des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik sieht unter anderem organisatorische und technische Voraussetzungen, einen Ablaufplan, Funktionstests, Verantwortlichkeiten, Kontakte und die Rückführung in den Normalbetrieb vor.



